Driving Home for Christmas

Jetzt ist es soweit. Meine letzten Stunden in Thailand sind gezählt. Hier stehe ich nun am Check-in des Suvarnabhumi Airports und bange darum, dass mein Gepäck nicht zu schwer ist. Was sich alles in 4 Monaten ansammelt!

Ich blicke zurück auf eine wunderbare Reise, ein tolles Praktikum und viele schöne Momente, die mir hier in den vergangenen Monaten widerfahren sind. Wenn ich später ins Flugzeug steige, dann tue ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich werde vieles hier vermissen, vor allem die lieben Menschen, die mir hier begegnet und ans Herz gewachsen sind. Aber ich freue mich auch so sehr darauf, Weihnachten zuhause zu verbringen und die Menschen wiederzusehen, die für mich Zuhause sind. Das ist das kostbarste Geschenk von allen!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein ereignisreiches, schönes neues Jahr 2015.
 

Und hier noch ein bisschen Weihnachtsstimmung aus Thailand:
 
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Die Stadt.

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Morgen wird ein großer Tag. Denn morgen eröffnet die Ausstellung, auf die wir seit Beginn meiner Praktikumszeit hinarbeiten: “Die Stadt. Vom Werden und Vergehen”. Im Bangkok Art and Culture Center (kurz: BACC) werden bis zum 04. Januar rund 150 Arbeiten der Berliner OSTKREUZ Agentur der Fotografen auf 3 Stockwerken in der Rotunde zu sehen sein. Allesamt Fotografien von 22 Großstädten weltweit, die unterschiedlicher kaum sein können. So gibt es eine Serie über die Künstlichkeit Dubais, das Elend in Gaza, den Gegensatz von Ordnung und Chaos in Lagos, die Utopie Auroville in Indien, die verlassene Stadt Prypiat bei Tschernobyl, das verborgene Atlantis und viele mehr. Anlässlich der Überschreitung der Marke, ab welcher mehr Menschen weltweit in Städten als auf dem Land leben, haben die OSTKREUZ Fotografen sich auf den Weg gemacht, den Kern der Stadt zu finden. Das, was sie ausmacht, was sie zu einem begehrenswerten Lebensmittelpunkt erhebt, was die Menschen anzieht und was sie dort hält. Aus diesen Einzelporträts ergibt sich das Bild einer Stadt, die zugleich wird und vergeht, die erschüttert und verzaubert, die anzieht und abstößt, die Träume erschafft und Träume erfüllt. Immer ist sie geprägt von den Menschen.

In einem 14-stündigen Marathon haben wir am Montag unter Anleitung der Fotografen und OSTKREUZ-Gründungsmitglieder Ute und Werner Mahler, welche selbst mit ihrer Serie “Monalisen der Vorstädte” in der Ausstellung vertreten und für den Aufbau nach Bangkok gereist sind, mit einem Handwerkerteam alle Bilder ausgepackt, sortiert, in Position gebracht und gehängt. Nun stehen uns lediglich noch die Anbringung und Installation von Bildtiteln, Wandtexten, Roll-up’s und Bildschirmen, sowie letzte organisatorische Dinge bevor, bis die Ausstellung am Abend endlich eröffnet wird. Ich freue mich riesig auf den Showdown dieses tollen Projektes und bin gespannt auf die Reaktionen, welche diese teils sachlich-rauen und teils poetischen Arbeiten bei den Besuchern auslösen werden!

 

Sonntags im Lumphini Park

Letzten Sonntag hat es mich ins Grüne gezogen und so habe ich mich im Lumphini Park wiedergefunden. Der Park ist eine der größten Grünflächen in der Stadt, liegt nur ein paar Minuten von meinem Apartment entfernt und bietet mit seinen vielen, für motorisierte Verkehrsmittel unzugänglichen Wegen einen idealen Ort für ambitionierte Fahrradfahrer, Jogger sowie Sonntagsspaziergänger wie mich.

Also habe ich ein paar Stunden im Lumphini Park damit verbracht, mal tief durchzuatmen, mir den Kopf über Gott und die Welt zu zerbrechen, Frauengruppen beim Aerobic zuzuschauen, mich von Eisverkäufern anquatschen zu lassen, Kinder beim Taubenaufscheuchen zu beobachten, die ersten Fahrradfahrversuche eines kleinen Mädchens zu erleben, von Waranen angefaucht zu werden, Senioren beim Brettspiel-Duell zuzusehen und auf der Parkbank in die Sonne zu blinzeln. Diese steht mittlerweile deutlich tiefer als noch im September und alle sagen dass es kalt geworden sei. Ich aber spüre keinen Unterschied, abgesehen davon, dass es aufgehört hat zu regnen.
 

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Merry-Go-Round

“Round ‘n’ round
Carousel
Has got you under its spell
Moving so fast, but
Going nowhere

Up ‘n’ down
Ferris wheel
Tell me how does it feel
To be so high
Looking down here

Is it lonely?”

Diese Zeilen gingen mir durch den Kopf, als ich den Jahrmarkt in Ubon Ratchathani betrat. Nach einem trubeligen Vormittag an der städtischen Schule und des Besuchs mehrerer Tempel in der Umgebung am Nachmittag, wurde uns verkündet, dass Jahrmarkt sei. Wir hätten besonderes Glück, da diese in Thailand eher selten seien und nur alle paar Jahre einer in Ubon stattfinde, hieß es. Also stellten wir uns auf einen lustigen Mädelsabend mit Fahrgeschäften und Zuckerwatte, viele Menschen und übermütigen Kindern und allem, was sonst noch dazu gehört, ein. Und das wurde es auch, nur so ganz anders als ich es erwartet hatte.

Was hat es eigentlich mit diesem Retro-Charme von Jahrmärkten auf sich? Während die Freizeitparks sich Jahr für Jahr mit immer neuen Entwicklungen in Höhe, Länge, Geschwindigkeit und Sensation übertreffen, unterscheiden sich die heutigen Jahrmärkte kaum von denen meiner Kindheit. Und selbst damals wirkten sie irgendwie in kitschig und retro – wenn einem mit Liebesapfel in der einen und Lebkuchenherz in der anderen Hand eine Rose geschossen wurde. Das Future House vom Seehasenfest wäre im Europapark vermutlich FSK 6 und die Autoscooter erscheinen als reine Zeitverschwendung, wenn man stattdessen für eine Fahrt in der Silver Star anstehen könnte. Aber darum geht es offensichtlich nicht. Vielmehr geht es um das Miteinander (oder Gegeneinander im Falle der Autoscooter!) als um das höher, länger, schneller. Ein Stück buntes, zuckerwatte-süßes Leben für ein Wochenende in der eigenen Stadt, die man täglich auf dem Weg zum Bäcker, zu Arbeit, zur Bank, auf einem Spaziergang oder vom Wohnzimmerfenster aus, aber eben nie aus der Riesenrad-Perspektive erlebt. Und das mit dem ganzen Freundeskreis.

Dieses Miteinander war auf besagtem Jahrmarkt jedoch weit und breit nicht in Sicht. Auf den, mit grauen Planen zwischen den Buden und Fahrgeschäften ausgelegten, 5-Meter breiten Pfaden, liefen nur vereinzelt Menschen und in den Fahrgeschäften saßen selten mehr als 5 Personen. Die meisten der Leute schienen allein oder in kleinen Gruppen dort zu sein und liefen langsam ihre Runde vorbei an den Buden, wie an Schaufenstern in einer Shopping Mall. Nur dass die Bilder vor ihren Augen verschrobene, lachende Clowns, nackte Nymphen, Busse mit Gesichtern und Superhelden, anstelle von Taschen, Schuhen und Kleidern waren. Nach einer Partie Rosenschießen wollten mich zwei Thais aus unserer Gruppe überreden, mit der quietschenden Krake zu fahren, aber beim Anblick der rostigen Karosserie verlor ich den Mumm und habe mir das Ganze lieber vom Boden aus angesehen. Die Leere auf diesem riesigen Platz, die verblichenen, abgeblätterten Farben, das in die Jahre gekommene Riesenrad, begleitet von dem immer gleichen, zwischen Dur und Moll schwankenden Leierkasten-Jingle schienen mir plötzlich so entrückt, dass es mich schier gruselte. Ein Jahrmarkt wie aus einem Stephen King Film. Und dann kamen mir die Zeilen von “Carnival Town” wieder in den Kopf: “Round ‘n’ round, Carousel | Up ‘n’ down, Ferris wheel | Is it lonely?”

So habe ich das noch nie gesehen – bis zu diesem schaurig-schönen Abend… ;-)
 

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