Florentiner Glücksmomente

Als letzte Station unserer Reise zeichnete Florenz noch einmal ein ganz anderes Bild von Italien als die Orte zuvor. Das quirlige Treiben, die Kreativität und die Internationalität, welche Florenz ausstrahlt, lassen die Stadt extrem lebendig wirken, obwohl der kulturelle Reichtum und die Renaissance-Architektur an jeder Ecke Geschichten einer früheren Zeit erzählen. Es sind die Gegensätze, die Florenz so spannend und einzigartig machen. Auf einer Free Walking Tour haben wir die Stadthälfte nördlich des Arno – angefangen bei der Santa Maria Novella, über die Via degli Strozzi zur Piazza della Republica, bis hin zum Palazzo Vecchio und dem Dom – kennengelernt. Anschließend haben wir uns die interessantesten Spots nochmals in Ruhe angesehen und die Stadt schließlich auf eigene Faust erkundet.

Die Must-dos, Must-haves & Must-sees von Florenz:

1. Der Dom.
Sicher habe ich den Florentiner Dom zuvor auf Fotos gesehen. Dennoch war ich überwältigt als ich zunächst aus dem Fenster unserer Unterkunft einen Blick auf ihn erhaschen konnte und schließlich vor ihm stand. Seine atemberaubenden Proportionen, die architektonischen Besonderheiten und seine Farbe im Sonnenlicht lassen einem nichts anderes übrig als stehen zu bleiben, den Kopf in den Himmel zu recken und andächtig zu staunen.

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2. Die Uffizien.
Als eines der bekanntesten Kunstmuseen weltweit sind die Uffizien eigentlich ein Muss für jedermann. Sie beherbergen viele bedeutende Werke der Kunstgeschichte – von Boticellis Primavera und der Geburt der Venus, über Giottos Madonna mit Kind, bis hin zu da Vincis Verkündigung und Dürers Anbetung der Könige.

3. Ponte Vecchio.
Passiert man die Uffizien in Richtung Süden, so gelangt man auf die Ponte Vecchio, die Brücke der Goldschmiede. Links und Rechts ist die Brücke gesäumt von kleinsten Häusern, in denen noch heute viele Juweliere arbeiten. Besonders am Abend, wenn sich Musiker und Bands hier versammeln, ist die Atmosphäre einzigartig.

4. Sonnenuntergang vom Piazzale Michelangelo.
Den besten Blick über die Stadt und den bunten Himmel bei Sonnenuntergang, der sich in den Windungen des Arno spiegelt, hat man von der Piazzale Michelangelo. Der kleine Fußmarsch bergauf ist es wert!

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5. Frische Pasta im Tamerò.
Das alternative Restaurant mit offener Küche im Industrie-Look liegt auf der südlichen Seite des Arno, direkt an der Piazza Santa Spirito. Hier haben wir die beste Pasta des ganzen Urlaubs gegessen: hausgemachte Ziegenkäse-Ravioli in Basilikumbutter mit frischen Feigen und Trüffeln…

6. Antiquitäten-Schatzsuche.
Im Südwesten der Stadt, unweit der Ponte alla Carraia, gibt es eine ganze Reihe toller authentischer Antiquitätengeschäfte zum Stöbern.

7. Eis von La Carraia.
Besonders zu empfehlen: Pfefferminz, Birne-Ricotta und Frutti di Bosco.

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8. Galleria dell’Accademia.
Hier steht der echte David von Michelangelo – alle anderen, wie beispielsweise die Davidskulptur auf dem Piazzale Michelangelo, sind Repliken.

9. Cappucino im Quelo.
Die Kaffeespezialitäten in dem/der etwas versteckten Café/Bar/Osteria sind fantastisch und verhältnismäßig günstig.

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10. Aqua Flor.
Mit ihrem alten Charme und den betörenden Düften ist die Parfümerie Aqua Flor ein Fest für die Sinne. Alle Seifen, Parfums und Raumdüfte werden in Handarbeit und auf natürlicher Basis hergestellt und bei Bedarf individuell angepasst.

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11. Mercato Centrale.
Vor unserer Heimreise haben wir uns hier ein letztes Mal kulinarisch eingedeckt, mit Parmesan, Oliven, Balsamico, Pasta etc.

13. Shopping.
Einzigartige und bequeme Lederschuhe gibt es zum Beispiel bei Marta Ray in der Via dei Servi und im winzigen Schmuckladen Consigli di Anna gleich nebenan fällt die Wahl schwer.

14. Straßenschilder.
Die Florentiner haben Humor. Am offensichtlichsten beweisen sie das mit ihren Straßenschildern.

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Die Aromen Chiantis

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Der nächste Abschnitt unser Reise stand ganz im Zeichen der “Dolce Vita”. Chianti! Schon die Autofahrt dahin war wie Balsam für die Seele. Von Deutschland aus hatten wir über Airbnb für drei Nächte eine Unterkunft in Panzano mit großer Terrasse am Rande der Weinberge und – wie sich herausstellte – zwei sehr zuvorkommenden Gastgebern gebucht. Carolina gab uns viele Tipps für Unternehmungen in der Chianti-Region und reservierte noch für denselben Abend einen Tisch für uns im Solociccia und Francesco, der als Sommelier tätig ist, lud uns für die nächsten Tage zu einer privaten Weinprobe ein.

Inhaber und Koch des Solociccia ist Dario Cecchini – der berühmteste Metzger Italiens. Nach einem üppigen Empfang mit Fenchelsalamie, Kräuterschmalz-Broten und Oliven in der urigen Metzgerei nebenan wurde wir gebeten, an der Tafel im Restaurant Platz zu nehmen. Wie Carolina uns zuvor erklärte, hatten wir großes Glück mit der Reservierung, da pro Abend nur circa 15 Gäste Platz im Solociccia finden. In dem Raum gibt es nur einen langen Tisch, an dem alle gemeinsam speisen, sodass man schon nach kürzester Zeit mit den anderen Menschen ins Gespräch kommt. Wir waren umgeben von einer unterhaltsamen und interessanten Gruppe bestehend aus einer fünfköpfigen chinesischen Familie, einem Ehepaar aus Österreich, vier Engländern unseren Alters und einer ansässigen Italienerin. Bei exzellenten fünf Fleisch-Gängen, von denen einer besser war als der andere, und tollen, anregenden Gesprächen verging der Abend wie im Flug. Neben dem Hauswein schenkte die Italienerin zudem eine mitgebrachte Flasche ihres eigenen Weinguts aus und erzählte von dem Glück und den Strapazen, einen Weinberg zu bepflanzen. Die Österreicher entpuppten sich als immer wiederkehrende Toskana-Liebhaber und Cecchini-Fans, die Engländer berichteten von ihrer bisher zurückgelegten Route und den Vorzügen Glasgows, und die Chinesin davon, wie sie sich auf ihren Geschäftsreisen nach Italien in das Land verliebte.

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Am darauffolgenden Tag spazierten wir zu dem Weingut La Massa, wo uns Francesco in die hohe Kunst des Weinanbaus einwies, uns über den Hang führte und die Bedeutung der richtigen mineralischen Zusammensetzung der Erde verdeutlichte, uns über die verschiedenen Traubensorten und die Mischung des Chianti Classico informierte, die Gärungsanlagen und Weinfässer zeigte und uns schließlich die drei hochwertigen Weine des Gutes verkosten ließ. Obwohl der Wein vermutlich nirgends sein Aroma so entfaltet wie in seiner Heimat, nahmen wir doch ein paar Flaschen von La Massa und dem Weingut Casaloste unserer netten Bekanntschaft vom Vorabend mit sowie einen Vorrat an kaltgepresstem Olivenöl des guten Erntejahres 2013. Unseren Chianti-Aufenthalt beschlossen wir mit einer Rollertour quer durch das Gebiet, bei der wir den einzigartigen Duft dieser Gegend noch ein letztes Mal in uns aufnahmen.
 

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Little Manhattan

Einmal im Leben sollte man den schiefen Turm von Pisa gesehen haben. Und das reicht. Während Lucca uns ein wenig Tempo nahm mit seinen hübschen Promenaden und der Gemütlichkeit fernab der Autostraßen, versetzte Pisa uns in Hektik. Obwohl der Tag regnerisch begonnen hatte, warteten bereits hunderte von Menschen aus aller Welt in dichtem Gedränge auf dem Campo dei Miracoli auf Einlass in den Turm und den Dom oder posierten für ein Foto mit der skurrilen Sehenswürdigkeit. Glücklicherweise hatten wir vorab bereits Tickets für die Turmbegehung gebucht, was die Wartezeit (welche bei maximal 40 Personen pro Aufstieg sehr lang werden kann) deutlich verkürzte. So rückten wir in dem Meer aus Regenschirmen aller Farben und Formen immer näher. Oben angekommen waren die Wolken aufgezogen und die Sonne kam zum Vorschein, sodass wir einen fantastischen Blick über die Dächer der Stadt hatten. Und von dort oben erschien der Platz mitsamt dem Dom aus weiß-grünem Marmor in atemberaubendem Ausmaß und dem Baptisterium tatsächlich “wundersam”.

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Abgeschreckt von den Menschenmassen setzten wir schon am frühen Nachmittag unsere Reise fort in das 60 Kilometer entfernte San Gimignano. Je weiter wir uns der Stadt näherten, die wegen ihrer vielen hohen Türme auch das “Little Manhattan” Italiens genannt wird, umso hügeliger und grüner wurde die Landschaft. Weinberge so weit das Auge reicht breiteten sich vor uns aus – ja, so hatten wir uns die Toskana vorgestellt. Hier bezogen wir auch die wahrscheinlich schönste Unterkunft der ganzen Reise: Ein liebevoll hergerichtetes Zimmer mit Himmelbett und weitem Blick über die terrakottafarbenen Dachziegel hinweg auf die sanfte hügelige Landschaft. Das Gästehaus Al Pozzo dei Desideri liegt in einem der Türme im Herzen der Stadt und umfasst insgesamt nur drei Zimmer. Auf dem Piazza della Cisterna direkt vor der Haustür gönnten wir uns ein Eis bei dem Eismeister Sergio Dondoli, wobei die Wahl bei 30-40 Sorten wie Safran, Lakritz und Pistazie schwer fiel. Und so schlenderten wir durch die mittelalterlichen Gassen San Gimignanos bis zur Dämmerung. Insbesondere am westlichen Stadtrand gibt es tolle Aussichtspunkte, wie den Torre Grossa, die einen spektakulären Ausblick auf die Umgebung bieten. Die Toskana bei Sonnenuntergang – das perfekte Postkartenmotiv, nur noch viel schöner in echt. Da wird einem seltsam warm und leicht ums Herz.

Nachdem wir den Abend bei gutem Essen und Wein im Chiribiri ausklingen ließen und fürstlich genächtigt hatten, mussten wir am nächsten Morgen leider schon weiterziehen. San Gimignano hat mich in seinen Bann gezogen mit seinem nostalgischen Flair und der wunderbaren Umgebung. Am liebsten wäre ich noch ein paar Tage geblieben, aber ich komme wieder!
 

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Von atmosphärischen Piazze und dem besten Pizzabäcker Italiens

Nach einem weiteren Strandtag in Monterosso, bauten wir Zelt und Schlaflager ab und setzten unsere Reise fort in Richtung Süden. Dabei nahmen wir einen kleinen Umweg über Carrara, wo der preisgekrönte und angeblich beste Pizzabäcker Italiens lebt und arbeitet. Von solch einem Ort würde man sich nun eine dicht gedrängt speisende Menschenschar in und eine lange Schlange vor einem imposanten Gebäude erwarten. Umso erstaunter waren wir, als wir die kleine, abgelegene Pizzeria Ometto entdeckten, unscheinbar in der Kurve einer Serpentine errichtet. Da wir erst für eine gute Stunde später reserviert hatten, folgten wir der Straße noch ein Stück bis zu einem überfüllten Laden, der von Repliken berühmter Skulpturen, über Vasen, Mörser und Tischuntersetzer, bis hin zu Schachbrettern alles in weißem, rotem und grünem Marmor führte. Carrara hat nicht viel zu bieten – außer Marmor. Die Steinbrüche der industriell geprägten Stadt stellen das internationale Zentrum des Marmorabbaus dar und versorgten den Bau zahlreicher Kathedralen, wie den Florentiner Dom, mit dem typischen Marmor bianco. Von der schlichten Terasse Omettos hatten wir beim Essen einen fabelhaften Blick auf die Steinbrüche und konnten beobachten, wie dort in zehnminütigem Takt Sprengungen stattfanden, die große weiße Wolken hinter sich aufwirbelten. Und tatsächlich haben wir keine Pizza gegessen, die besser als Omettos war. Die Komposition aus würzigen reifen Tomaten, der im Marmorbecken gereiften Spezialität Lardo di Colonnata (schneeweißer Speck) und frischem grünen Spargel war einfach rund.

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In Lucca wohnten wir in der geschmackvollen Aibnb-Dachgeschosswohnung der herzlichen Italienerin Carolina, welche selbst eine kleine Boutique ein paar Straßen weiter besaß. Die Wohnung lag nur wenige Schritte vom zentralen Piazza San Michele entfernt, sodass wir alles bequem zu Fuß erkunden konnten. Das Herz Luccas ist umrahmt von imposanten Wehrmauern aus der Renaissance und ist eine Auto-freie Zone. So kann man die schmalen gepflasterten Gassen in aller Ruhe durchqueren und die Schönheit der mittelalterlich anmutenden Stadt mit ihren atmosphärischen Piazze, Szene-Cafés und rustikalen Tavernen wie der Osteria Tosca genießen. Besonders ab dem frühen Abend, wenn Tagestouristen ausgeflogen sind, hat die Stadt einen ganz besonderen Charme. Dann gibt es live-Musik in vielen Bars und zahlreiche Einheimische treffen sich auf den Straßen zum Essen oder auf einen Cocktail mit Freunden. Da Lucca die Geburtsstadt Giacomo Puccinis ist, gibt es außerdem allabendliche klassische Konzerte, zum Beispiel im Rahmen des Puccini Festivals, welches wir besuchten.

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Lucca eignet sich nicht nur bestens für einen Einkaufsbummel über die Via Fillungo und durch die hübschen Manufakturen und Boutiquen der Nebengassen, wie beispielsweise den Familienbetrieb Le Sorelle, sondern bietet auch viel interessante Historie, wie wir auf der nächtlichen Stadtführung mit Maria erfahren haben. Besonders schön ist auch der Palazzo Pfanner mit seinem Barockgarten und der Jugendstil-Orangerie im Norden der Stadt. Das original erhaltene Anwesen war einst der Privatsitz des Österreichers Felix Pfanner, der das Bier nach Italien brachte. Der Garten grenzt an die Stadtmauer, welche rundherum grün bewachsen und viel befahren von Rikschas und Fahrradfahrern ist. Wir haben sie für einen ausgedehnten Spaziergang genutzt und uns schließlich ein schattiges Plätzchen für ein Picknick mit Parmesan, Parma, Oliven und frischem Foccacia gesucht.
 

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